Warum Drogen und Alkohol
in der Magie tabu sind
Es kommt selten vor, dass ich mit der Faust auf das Pentagramm schlage, wenn ich unterrichte. Aber wenn wir über das Thema Drogen und Alkohol in der Magie und im täglichen Leben reden, werde ich rabiat. Drogen und Alkohol haben nichts mit Magie zu tun! Ich will auch nichts von den Drogen hören, die Naturvölker benutzen, um sich in Trance zu versetzen. Wir wissen heute ganz genau, wie wir das auf ungefährliche und gesunde Weise tun können – ohne Drogen. Drogen und Alkohol sind nichts weiter als Krücken.
Hexen halten die Gesetze ihres Landes ein. Gewiss, wir haben auch unsere eigenen Regeln, aber die widersprechen den Gesetzen nicht. Wenn du in der Schule mit Drogen oder Alkohol erwischt wirst, musst du mit einer Strafe oder gar mit dem Verweis von der Schule rechnen. Außerdem kann das Jugendamt oder der Jugendrichter weitere unangenehme Maßnahmen anordnen. Glaub mir, auch wenn du es „nur einmal probieren“ wolltest, wird das die Schule, die Polizei und deine Eltern nicht besänftigen. Oder willst du deinen Eltern etwas heimzahlen, indem du Drogen nimmst oder Alkohol trinkst? Das ist so ungefähr das Dümmste, was du tun kannst – denn damit machst du dein Leben kaputt, nicht ihres. Wer Drogen nimmt oder Alkohol trinkt, schädigt sein Gehirn und entwickelt eine abstoßende Persönlichkeit. Er beginnt zu lügen und vergesslich zu werden, ohne es zu merken. Wenn andere eingreifen, ist es oft zu spät.
Wenn du das liest und darüber lachst, tust du mir leid, weil dein Verstand nicht mehr richtig arbeitet, auch wenn du selbst anderer Meinung bist. Vielleicht kann die folgende Geschichte dich umstimmen.
Sabine, eine Freundin von mir, ist Schriftstellerin und hat zwei Töchter, die beide auf die High School gehen. Sabine und ihr Mann gehören zur Mittelschicht. Sie kommen über die Runden und zahlen ihre Rechnungen. Für ihre Töchter tun sie alles, was sie können. Natürlich nehmen sie keine Drogen, sie trinken nicht einmal Alkohol. Sie sind seit über zwanzig Jahren verheiratet. Sie sind liebevolle Eltern und haben keine Eheprobleme. Eine Traumfamilie? Leider nicht.
Die Töchter sind nette Mädchen. Die Mutter glaubte, alles sei mit ihnen in Ordnung, obwohl sie sich oft unnötig stritten – über Make-up, Kleider und andere Dinge, die jungen Menschen wichtig sind. Eines Nachmittags, drei Tage vor den Sommerferien, beendete Sabine gerade ein Buch, als ihre jüngste Tochter sie anrief.
„Sie wollen meine Schultasche durchsuchen“, sagte Cindy, „aber ich will das nicht.“
Sabine schob die Tastatur ihres Computers weg und versuchte, ihre Gedanken von ihrem Roman zu lösen. „Was meinst du damit? Warum wollen sie deine Schultasche durchsuchen?“
„Sie glauben, ich habe Drogen bei mir“, sagte Cindy unter Tränen.
Sabines Herzschlag stockte und ihre Hand zerdrückte fast den Telefonhörer. Sollte einer ihrer schlimmsten Alpträume wahr werden? Aber noch hatte sie Hoffnung. Vielleicht hielt Cindy die Durchsuchung einfach für ungerecht. Ja, so musste es sein. „Am besten erlaubst du es ihnen.“
Stille.
„Cindy? Lass sie doch die Tasche durchsuchen.“
Immer noch Stille – und ein unterdrücktes Schluchzen.
Der Alptraum packte Sabine an der Gurgel und versetzte ihr einen Hieb in den Magen. „Hast du Drogen in deiner Schultasche?“, flüsterte sie.
„Ja“, lautete die leise Antwort.
Sabine unterdrückte den Impuls, das Telefon an die Wand zu werfen. Stattdessen sagte sie: „Lass sie die Tasche durchsuchen. Ich bin in ein paar Minuten bei dir.“
Der Alptraum ging weiter. Cindys ältere Schwester Alexis war bei vielen Kindern in der kleinen Schule sehr beliebt. Sie hatte überall „Verbindungen“ – auch zur Drogenszene. Alexis fand, dass jeder die Chance haben sollte, Freunde zu finden. Sie verstand nicht, dass sie sich selbst schadete, wenn sie Kontakt mit Leuten hatte, die ihre Selbstachtung verloren hatten und Drogen konsumierten – denn sie nahm ja keine Drogen.
Während Cindy im Büro des Schulleiters den Zorn ihrer Eltern über sich ergehen ließ, saß Alexis zu Hause und ahnte nicht, was auf sie zukam. Cindy zeigte nämlich nicht mit dem Finger auf ihre Freundinnen, weil man Freundinnen ja nicht verpfeifen darf. Aber sie schwärzte Alexis an.
Vor weniger als vierundzwanzig Stunden hatte Sabine noch eine glückliche Familie gehabt. Das hatte sie zumindest geglaubt. Jetzt befand sie sich mitten in einem Krieg, der Monate dauern sollte. Das ganze Gewebe ihres Familienlebens löste sich auf wie Plastik im Feuer, und das alles innerhalb von Minuten.
Sabine rief Alexis von der Schule aus an. „Geh nicht aus dem Haus. Deine Schwester steckt in großen Schwierigkeiten.“
„Ich wollte mit Lisa ausgehen.“
„Darüber reden wir später. Bleib zu Hause.“
„Was ist denn los?“, fragte Alexis.
„Es geht um Drogen. Also geh nicht weg, verstanden?“
„Was? Nein! Doch nicht Cindy!“
Arme Cindy. Die zwei Mädchen, die ihr die Drogen gegeben hatten, wollten ihr keinen Gefallen tun. Die eine hasste Alexis, und da sie nicht an sie herankam, wollte sie sich an der jüngeren Schwester rächen. Also tat sie sich mit einer anderen Schülerin zusammen, die dick und unglücklich war und von Cindys Freundinnen oft gehänselt wurde, ohne dass Cindy eingriff. Die Zeit der Abrechnung war gekommen.
Heute, nach einem Jahr, weiß man immer noch nicht genau, wie und von wem Cindy die Drogen bekommen hat. Cindy behauptete, sie habe den Stoff vor einem Monat in Alexis‘ Zimmer gefunden. Eine von Alexis‘ drogensüchtigen Freundinnen habe bei Alexis übernachtet und die Drogen zurückgelassen. Alexis fand heraus, dass das stimmte.
Sabine konnte nicht feststellen, woher die Drogen ursprünglich gekommen waren. Sie wusste nur, dass ihr Leben zu einem Chaos geworden war. Alexis war außer sich, weil ihre Schwester sie beschuldigt hatte, und nahm am Familienleben immer weniger Anteil. Sie war fast achtzehn, und das ganze Leben lag noch vor ihr. Darum beschloss sie, soviel Zeit wie nur möglich außerhalb des Hauses zu verbringen. Als die Polizei die Mädchen vernahm, wollte sie zuerst mit Alexis reden. Man fragte sie nicht nach Drogen, sondern nach einem anderen Vorfall in der Schule. Mädchen, die Alexis nicht leiden konnten, hatten behauptet, sie sei für Vandalismus in der Schule verantwortlich. Das war gelogen, aber Alexis musste sich trotzdem damit auseinandersetzen. Zum Glück war sie im Unterricht gewesen, als der Schaden angerichtet worden war; andernfalls wäre es ihr schlimmer ergangen als Cindy.
Warum hatte Cindy überhaupt Drogen in der Tasche? Eine gute Frage. Schließlich fand Sabine heraus, dass die überall beliebte Alexis für Cindy ein unerreichbares Vorbild war. Sie empfand Alexis als Bedrohung. Freundinnen hatten sie mit einem sechzehnjährigen Jungen bekannt gemacht, der mit Drogen handelte. Sabine wusste davon nichts. Langsam, im Laufe von Monaten, untergrub er Cindys Selbstachtung immer mehr. Er redete ihr ein, sie sei hässlich, dumm und langweilig. Damit er sie respektieren könne, müsse sie Drogen nehmen.
Zum Glück für Cindy wurde sie erwischt. Sie litt zwar unter der Demütigung und dem Schaden, den sie der Familie zugefügt hatte; aber jetzt konnte sie ihre falschen Vorstellungen über den Konkurrenzkampf mit ihrer Schwester über Bord werfen. Sie erkannte, dass sie „dazugehören“ wollte. Um auf sich aufmerksam zu machen, hatte sie sich mit Drogen eingelassen. Dafür hatte man sie vorübergehend von der Schule verwiesen und ihr eine Entziehungskur aufgebrummt. Als man sie geschnappt hatte, konsumierte sie nämlich schon Drogen und wusste nicht, wie sie damit aufhören konnte. Ihr war nicht bewusst, dass sie mit ihren Eltern hätte reden können und dass sie ihr geholfen hätten. Drogen verwirren das Gehirn.
Cindys Mutter sagte zu ihr: „Wenn du in die falsche Richtung gehst und nichts davon hören willst, dass die Göttin einen speziellen Auftrag für dich hat, dann haut sie dir eine aufs Dach. Dass man dich erwischt hat, ist doch der Beweis dafür. Die Göttin lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen. Sei froh, dass du etwas Wichtiges im Leben zu tun hast. Denk mal darüber nach.“
Glücklicherweise hatte Cindy vorher nie in Schwierigkeiten gesteckt, und ihre Eltern liebten sie sehr. Sie hielten zu ihr und halfen ihr. Wenn du wie Cindy bist, solltest du ebenfalls gut darüber nachdenken, was du tust – es könnte dein Leben retten.
Drogen und Alkohol stören auch deine Magie. Rituale misslingen, magische Sprüche werden zu Rohrkrepierern, und dein spiritueller Plan sieht bald aus wie Schweizer Käse.
Wenn du eine richtige Hexe sein willst, musst du auf Drogen und Alkohol verzichten.