Rituale
Ich bin die Schönheit der grünen Erde
und der weiße Mond zwischen den Sternen.
Ich bin das rätselhafte Meer
und die Sehnsucht im Herzen der Menschen.
Ich rufe deine Seele zu mir.
Denn ich bin die Mutter der Natur
und schenke dem Universum Leben.
Alle Dinge kommen aus mir,
und alle kehren zu mir zurück.
Komm, du Geliebte der Götter und Menschen,
und lass dein inneres, göttliches Selbst
vor meinem Antlitz im Arm der Unendlichkeit ruhen!
Bete zu mir mit jubelndem Herzen,
denn Liebe und Freude sind mein Ritual.
In dir sei Schönheit und Stärke,
Mitleid und Macht,
Ehre und Demut.
Und wenn du mich suchst, dann wisse,
dass du draußen nur findest,
was du in dir schon entdeckt.
Denn siehe, ich bin immer bei dir,
und ich bin das Ziel deiner Sehnsucht.*
Starhawk
Hast du geglaubt, Hexen seien nur mit Magie, Hokuspokus und leise vor sich hingemurmelten Mantras beschäftigt? In Wirklichkeit macht die Magie nur einen kleinen Teil unserer Aktivitäten aus – denn unsere Hauptaufgabe besteht ja darin, bessere Menschen zu werden, den Ballast alter Probleme abzuwerfen und uns spirituell weiterzuentwickeln.
Jede positive Religion hat ihre Riten, auch Wicca. Hexen kennen viele Rituale, komplexe und einfache. In diesem Kapitel wollen wir uns mit dem Grundritual und mit spontanen Ritualen befassen.
Das Grundritual eignet sich für Esbats, Sabbats und andere Tage, die mit Magie und Zeremonien verbunden sind. Ich habe drei Grundrituale für dich ausgesucht: das allgemeine Ritual, das Esbat-Ritual und das Sabbat-Ritual.
Das Grundritual
1. Altarweihe. Hier geht es um die Reinigung und Weihe der Dinge, die du auf den Altar stellst und deren Energien sich symbolisch vermischen und einen Brennpunkt der Kraft darstellen.
2. Der heilige Ort. Du trägst die vier Elemente (Erde, Luft, Feuer und Wasser) gegen den Uhrzeigersinn im Kreis durch den Raum (oder über einen Platz im Freien), um ihn vor der Arbeit zu reinigen. Dabei kannst du stumm um Segen bitten.
3. Der magische Kreis. Du schreitest einen Kreis ab, um einen unsichtbaren Ring aus Energie zu schaffen, der dich oder die Gruppe schützt. Auch dabei kannst du mit Versen oder frei formulierten Worten um göttlichen Segen bitten. Hexen setzen verschiedene Bewegungsformen ein, um einen magischen Kreis zu bilden.
4. Die Himmelsrichtungen. Du gehst nach Norden, Osten, Süden und Westen, bleibst kurz stehen, rufst die Energien der Elemente in den Kreis und bittest um Segen. Unter den Hexen und verschiedenen Hexenzirkeln gibt es unterschiedliche Vorstellungen von der Bedeutung der Elemente.
5. Der Gott und die Göttin. Du stehst in der Mitte des Kreises und rufst den Gott oder die Göttin oder beide in deinen Kreis und bittest sie um ihren Segen.
6. Magische Arbeit. Jetzt bereitest du dich auf magische Sprüche vor, und Gruppen spielen Mythen nach. Wenn die Gruppe beides plant, kommt die magische Arbeit am Schluss.
7. Energie bündeln. Du konzentrierst dich auf deinen Wunsch. Dabei helfen dir Singen, Trommeln, Klatschen, Summen, Atmen und so weiter. Jede Hexe und jede Gruppe hat ihre eigenen Methoden. Manche Gruppen bündeln die Energie auch vor der Invokation, um die Harmonie in der Gruppe zu fördern.
8. Danken. Du bedankst dich für den Segen und bittest die Energie des Gottes und der Göttin, den Ort zu verlassen. Die meisten Hexen äußern diese Bitte aber erst, wenn das Ritual es verlangt.
9. Die Energie der Elemente loslassen. Du schickst die Energie der vier Himmelsrichtungen und der ihnen zugeordneten Elemente weg (siehe dazu unter 4.).
10. Den Kreis aufheben. Du gehst gegen den Uhrzeigersinn durch den Raum oder über den Platz, um den magischen Kreis (siehe 3.) zu entfernen. Die Energie, die sich im Kreis angesammelt hat, leitest du in den Altar, in deine Werkzeuge, in eine Kerze und so weiter. Ein heiliger Ort wird in der Regel nicht aufgehoben.
11. Erdung. Du entfernst überschüssige Energie, die sich während des Rituals in dir angesammelt hat, und leitest sie im Geiste in die Erde. Natürlich kannst du das auch jederzeit vorher tun, wenn du spürst, dass es angebracht ist.
Es ist nicht notwendig, dass du jetzt schon jeden dieser Schritte verstehst. Ich gehe auf die einzelnen Punkte später noch genauer ein.
Rituale waren immer ein Bestandteil der menschlichen Spiritualität. Die Wicca-Rituale ermöglichen es suchenden Menschen, Kontakt mit dem Geist aufzunehmen. Mit anderen Worten: Du brauchst keinen Vermittler, um in den Himmel (oder in das Sommerland) zu kommen.
Schauen wir uns einmal das allgemeine Ritual einer sechzehnjährigen Hexe an, die keiner Gruppe angehört. Nehmen wir an, Anna möchte mit dem Ritual ihre Leistungen in der Schule verbessern. Sie weiß natürlich, dass sie trotzdem fleißig lernen muss, aber sie hat das Gefühl, dass sie im zweiten Schulhalbjahr mehr Energie und Selbstvertrauen braucht, und sie möchte Blockaden beseitigen (bannen), die sie daran hindern, ihr Bestes zu geben. Da das zweite Halbjahr demnächst beginnt, möchte Anna ihr Ritual so nahe wie möglich zu Neumond hin legen, weil die Energie des Neumondes günstig für den Beginn eines Projektes ist.
Von Neumond bis Vollmond versuchen Hexen mit ihren Ritualen, etwas zu sich heranzuziehen, und von Vollmond bis Neumond versuchen sie, Unerwünschtes loszuwerden. Wenn Anna ihr Ritual zwischen Vollmond und Neumond feiern würde, müsste sie also Unsicherheit und Hindernisse bannen. Da sie aber zwischen Neumond und Vollmond arbeitet, sieht ihr Ritual ein wenig anders aus: Sie bemüht sich, mehr Selbstsicherheit zu bekommen, und will ihren Weg klarer sehen. Die folgende einfache Tabelle zeigt, welchen Wochentag Anna am besten wählt.
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Sonntag |
Erfolg, Familie, Geschwister, Beruf |
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Montag |
Intuition |
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Dienstag |
Konflikte |
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Mittwoch |
Kommunikation, Künste, Partnerschaft |
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Donnerstag |
Beruf, Finanzen, Wohlstand |
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Freitag |
Freundschaft, Liebe, Leidenschaft |
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Samstag |
negative Energie bannen |
Diese sieben Tage und ihre Bedeutung sind ein Teil dessen, was Hexen magische Korrespondenzen nennen. Viele Hexen versuchen, in ihre Riten möglichst viele Korrespondenzen zusammenzubekommen. Für eine Junghexe kann das verwirrend sein; darum befassen wir uns in diesem Buch nur mit den Wochentagen und den Mondphasen. Welchen Tag soll Anna für ihr Ritual wählen? Richtig – den Sonntag oder den Mittwoch. Beide Tage sind günstig.
Anna hat Glück, weil der Neumond auf einen Sonntag fällt – das sind schon zwei vorteilhafte Korrespondenzen. Was kann sie tun, wenn der Neumond nicht auf Sonntag fällt? Dann würde sie sich allein nach der Mondphase richten oder einen Sonntag oder Mittwoch aussuchen, der dem Neumond nahe ist. Es kann ein Tag vor oder nach Neumond sein.
Anna hat also die Mondphase und den Wochentag gewählt – aber wie steht es mit dem Ritual? Erfahrene Hexen bestimmen die günstigste Zeit für ihre Rituale oft nach den Planetenstunden. Aber das ist kompliziert. Was nun? Schadet es ihrem Ritual, wenn sie sich nicht nach den Planetenstunden richtet? Nein. Für Anna ist es am wichtigsten, dass niemand sie stört und dass sie ihre anderen Pflichten erledigt hat. Es kann also sein, dass sie nur morgens gleich nach dem Aufstehen Zeit für ihr Ritual hat, weil sie anschließend in die Schule geht und danach Hausaufgaben machen und ihrer Mutter helfen muss.
Was kommt als nächstes? Anna muss sich genau überlegen, was sie erreichen möchte. Da sie bei Neumond arbeitet, wird sie um Klugheit, Geduld und klares Denkvermögen bitten. Wenn sie Probleme mit einem bestimmten Fach hat, kann sie sich darauf konzentrieren. Am besten schreibst du immer deine Wünsche auf ein Blatt Papier, damit du sicher sein kannst, dass du die richtigen Worte wählst. Worte können nämlich trügerisch sein, und du musst gut aufpassen, wenn du einen Wunsch formulierst. Und denke immer daran, ihn positiv zu formulieren.
Schauen wir mal, was Anna schreibt: „Ich habe Geduld und ich bin klug, und ich kann in der Schule und bei den Hausaufgaben klar denken, besonders in Algebra. Ich bin mit Selbstvertrauen gesegnet und bekomme gute Noten. Damit schade ich niemandem. So soll es sein.“ Vielleicht denkst du jetzt: „Nanu, warum hat Anna im Präsens geschrieben, als habe sie schon bekommen, worum sie bittet? Hat sie einen Fehler gemacht?“ Nein. Hexen formulieren ihre Bitten immer so, als hätten ihre Wünsche sich bereits erfüllt.
Jetzt wählt Anna ein geistiges Bild aus, das ihren Wunsch verdeutlicht. Wenn es ihr schwer fällt, vor dem geistigen Auge Bilder zu sehen, kann sie ihr nächstes Zeugnis auf Papier schreiben – natürlich mit den ersehnten Noten! Dazu passt ein Bild von ihr selbst, auf dem sie glücklich und zufrieden lächelt.
Da Anna sechzehn ist, erlauben ihre Eltern ihr, in ihrem Zimmer Kerzen anzuzünden. Die folgende Tabelle zeigt, welche Kerzenfarbe Anna für ihr Ritual wählen sollte.
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Weiß |
alle Zwecke |
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Rot |
Leidenschaft und Kreativität |
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Blau |
Frieden, Weisheit, Aufrichtigkeit |
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Orange |
Arbeit, Beruf |
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Braun |
Freundschaft |
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Grün |
Heilung und Geld |
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Violett |
Spiritualität |
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Schwarz |
negative Energie bannen |
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Gelb |
Intelligenz, Verstand |
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Silber |
übersinnliche Fähigkeiten |
Wie du siehst, hat Anna hier eine Auswahl: Weiß (das sich für jeden Zweck eignet), Blau (für Klugheit), Orange (für die Schule) oder Gelb (für den Verstand). Sie kann eine Farbe wählen oder alle vier. Leider herrscht in ihrem Geldbeutel wieder einmal Ebbe, darum sucht sie im Haus nach weißen Kerzen. Sie weiß, dass sie eine frische Kerze nehmen sollte, und zwar eine, die heil ist, weil ein Schaden den Energiestrom in der Kerze unterbricht. Nach langem Suchen entdeckt Anna eine Schachtel mit Kerzen für Notfälle im Keller. Sie sind ein wenig gelb vom Alter, aber das schadet nicht. Anna holt zwei heraus. Allerdings braucht sie noch Öl, um die Kerzen damit einzureiben – das fördert den Energiestrom. Vor Jahren, als die Hexen keine Duftkerzen hatten, rieben sie die Kerzen und ihre Stirn mit Olivenöl ein.
Was tun, wenn deine Eltern dir nicht erlauben, Kerzen anzuzünden? Kein Problem. Zeichne deinen Wunsch einfach mit einem Buntstift in der passenden Farbe auf Papier. Ich habe sogar einmal eine falsche Farbe genommen, weil ich keine andere fand – es klappte trotzdem!
Nun überlegt Anna, wie ihr Ritual aussehen soll. Soll sie das allgemeine Ritual wählen oder ein Esbat-Ritual? Die Wahl hängt von zwei Faktoren ab: von der verfügbaren Zeit und von der Ernsthaftigkeit ihres Wunsches. Anna meint, ein allgemeines Ritual reiche aus, und sie hat ohnehin keine Zeit für ein Esbat-Ritual, das viel länger dauert.
Am Abend vor dem Ritual legt Anna alles zurecht, was sie am nächsten Morgen braucht. Ihre Symbole der vier Elemente (Salz, Wasser, Weihrauch und eine weiße Kerze), ihre Zeichnung und ihre schriftliche Bitte legt sie mitten auf den Altar, die zweite weiße Kerze neben die beiden Papierbögen. Dann deckt sie den Altar mit einem weißen Tuch zu, um die Dinge vor negativer Energie und Staub zu schützen.
Am Morgen nimmt Anna vor ihrem Ritual eine Dusche. Viele Hexen duschen oder baden, um sich rituell zu reinigen. Aber was ist, wenn Anna nicht duschen kann, ohne das ganze Haus zu wecken? Dann wäscht sie sich wenigstens die Hände und das Gesicht.
Anschließend weiht Anna den Altar, und sie achtet darauf, dass die Symbole der Elemente auf dem richtigen Platz stehen: die Schale mit Salz im Norden, der Weihrauch im Osten, die Kerze im Süden und die Schale mit Wasser im Westen. Diese Dinge zeigen, dass Anna in Harmonie mit Erde, Luft, Feuer, Wasser und dem Geist arbeiten will.
Zuerst zündet sie den Weihrauch an. Sie hält die Hände darüber und sagt:
Ich reinige und weihe dich
im Namen des Gottes und der Göttin.
Möge ihr Segen in dir sein.
Dann hält sie die Hände über die kleine Feuer-Kerze, hebt die Kerze hoch und sagt:
Der Wunsch in meinem Herzen schöpft Kraft
aus brennenden Kerzen.
Sie stellt die Kerze wieder auf den Altar, hält die Hände über die Flamme (nicht zu nahe!) und sagt:
Ich reinige und weihe dich
im Namen des Gottes und der Göttin.
Möge ihr Segen in dir sein.
Jetzt kommt die Schale mit Wasser. Anna hält die Hände darüber und sagt:
Schöpfung des Wassers, ich reinige und weihe dich
im Namen des Gottes und der Göttin.
Möge ihr Segen in dir sein.
Zum Schluss hält sie die Hände über das Salz im Norden des Altars und sagt:
Schöpfung der Erde, ich reinige und weihe dich
im Namen des Gottes und der Göttin.
Möge ihr Segen in dir sein.
Nun hat Anna die vier Symbole gereinigt, geweiht und mit Energie geladen. Während sie die Worte spricht, sieht sie vor dem geistigen Auge weißes Licht, das die Symbole einhüllt. Das ist die positive Energie des Geistes.
Anna nimmt drei Prisen Salz und streut sie in die Schale mit Wasser. Sie hält die Schale hoch und stellt sich vor, dass Geist ins Wasser eindringt. Wenn sie das spürt, stellt sie die Schale zurück auf den Altar. Jetzt hat sie auch geweihtes Wasser.
Mit der rechten Hand (Anna ist Rechtshänderin) zeichnet sie vier Kreise gegen den Uhrzeigersinn in die Luft über dem Altar, dann klopft sie viermal mit dem Handballen auf den Altar. Auf diese Weise schützt sie ihn vor negativer Energie.
Nachdem sie einen heiligen Ort geschaffen hat (wie Lynn auf Seite 68), ist sie bereit für den magischen Kreis.
Anna stellt sich in die Mitte des Zimmers, holt tief Luft und entspannt sich. Wenn ihr das schwer fällt, stellt sie sich vor, sie sei ein Baum, dessen Wurzeln tief in Mutter Erde eindringen. Dann schaut sie nach oben, lächelt, holt noch einmal tief Luft und schreitet den Kreis im Uhrzeigersinn ab. Dabei streckt sie den Zeigefinger der rechten Hand aus und krümmt ihn nach unten. So geht sie dreimal im Kreis herum und sagt:
Du großer, mächtiger Kreis,
sei meine Grenze zwischen der Welt
und den mächtigen Geistern,
ein Treffpunkt der Liebe, der Freude, des Friedens.
Halte die Kraft fest, die ich erzeuge.
Ich rufe die Wächter des Nordens und Ostens,
des Südens und Westens:
Helft mir dabei im Namen des Gottes und der Göttin.
Sei meine Grenze, du großer, mächtiger Kreis!
Dann klopft Anna mit der Hand auf den Boden (natürlich leise, damit sie niemanden aufweckt) und sagt:
Der Kreis ist geschlossen.
Jetzt ist es Zeit, die Energie der Himmelsrichtungen anzurufen. Anna beginnt im Norden und bewegt sich im Uhrzeigersinn weiter. Hexen rufen die Himmelsrichtungen auf ganz verschiedene Weise an, aber Anna braucht ein einfaches Ritual, weil sie bald in die Schule gehen muss. Darum senkt sie den Kopf, verschränkt die Arme, stellt sich mit leicht gespreizten Beinen hin und fängt im Norden an. Während sie spricht, hebt sie langsam den Kopf und öffnet die Arme:
Engel der Erde, helft mir heute bei diesem Ritual
und helft mir in der Schule.
So geht Anna von einer Himmelsrichtung zur anderen und spricht die gleichen Worte, außer dass sie die Engel der Luft im Osten, die Engel des Feuers im Süden und die Engel des Wassers im Westen anruft. Wenn sie damit fertig ist, geht sie in die Mitte des Kreises, hebt die Arme über den Kopf und sagt:
Beltane und Göttin, Großer Geist, schenkt mir Klugheit,
Selbstvertrauen und klares Denken.
Nun konzentriert Anna sich auf den Hauptteil des Rituals. Zuerst nimmt sie die Kerze, die ihren Wunsch symbolisiert, hält sie zwischen den Händen, schließt die Augen und bittet den Gott und die Göttin:
Reinigt, erneuert und segnet diese Kerze für mein Ritual,
mit dem ich um Selbstvertrauen und gute Noten bitte.
Sie stellt sich vor, dass weißes Licht die Kerze einhüllt. Dann denkt sie – immer noch mit geschlossenen Augen – an das Ziel ihres Rituals: mehr Selbstvertrauen und gute Leistungen in der Schule. Sie stellt sich vor, eine erfolgreiche Schülerin zu sein, und hält diese Szene fest, solange sie kann. Dann stellt sie die Kerze in einen feuerfesten Halter, nimmt ihre Zeichnung in die Hand, schließt die Augen und bittet den Gott und die Göttin:
Reinigt, erneuert und weiht diese Zeichnung des Erfolges.
Sie versucht, das Bild vor dem geistigen Auge zu sehen, umgeben von weißem Licht. Dann öffnet sie die Augen und legt die Zeichnung unter den Kerzenhalter. Je öfter Anna Rituale abhält, desto deutlicher sieht sie die Bilder des Erfolges vor dem geistigen Auge, und weil sie das weiß, macht sie sich keine Gedanken darüber, wie lange sie das Bild diesmal „festhalten“ kann.
Was Anna bisher getan hat, sorgt für positive Energie. Obwohl das ganze Ritual vielleicht nur zehn Minuten dauert, hat sie insgesamt eine ganze Menge Zeit und Energie investiert. Nun will sie die Energie bündeln, um ihren Wunsch dem Kosmos mitzuteilen.
Auch dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, einige davon sind:
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Meditation |
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Invokation |
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Gebet |
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Flüstern, Singen, Sprechgesang |
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Trance und Astralprojektion |
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Kräuter, Öle, Räucherwerk |
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Bewegung und Tanz |
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Trommeln oder Rasseln |
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Rituale |
Oft wählt eine Hexe mehrere Möglichkeiten. Anna hatte bereits ein Öl und ein Räucherwerk ausgewählt. Sie rief den Gott und die Göttin an und bat sie, ihr beim Ritual zu helfen. Da sie niemanden aufwecken will, flüstert sie dabei. Geflüsterte Magie ist ebenso wirksam wie laut gesprochene.
Um die gesammelte Energie zu bündeln, kommen Trommeln, Rasseln oder ein Tanz natürlich nicht in Frage, und für Meditation, Trance oder Astralprojektion fehlt Anna die Zeit. Also entscheidet sie sich für Sprechgesang, Beten und Bewegung. Sie nimmt wieder ihre Zeichnung in die Hand, schreitet den Kreis im Uhrzeigersinn ab und rezitiert leise:
Sie ändert alles, was sie anfasst,
ja, was sie anfasst ändert sich.
Ohne mit dem Sprechgesang aufzuhören, geht sie schneller und im Rhythmus des Gesangs. Sobald sie spürt, dass es genügt, legt sie das Papier unter den Kerzenhalter, hält die Hände über die Kerze und stellt sich ihren Erfolg vor. Dabei sagt sie:
Anna zündet die Kerze mit einem Feuerzeug an (der Schwefel in einem Zündholz würde negative Energie ausstrahlen), stellt sich mit leicht auseinandergestellten Beinen und gestreckten Armen (die Handflächen zeigen nach oben) hin und visualisiert ihr Ziel. Sie sieht, wie die Energie der vier Engel sich über der Kerze vermischen. Langsam hebt sie die Arme und stellt sich vor, wie die Energie, die sie erzeugt hat, emporsteigt. Sobald sie das Gefühl hat, dass sie fertig ist, hebt sie die Arme über den Kopf und sagt „Lass los!“ zu der gesammelten Energie (so wie man einen Luftballon loslässt). Danach sagt sie:
Heilige Mutter, nimm diese Energie,
die ich in den Kosmos steigen lasse,
und lass meinen Wunsch wahr werden.
Segne und schütze mich
auf meinem Weg durchs Leben,
und bewahre mich vor
bösen Folgen meines Rituals.
Mögen alle astrologischen Korrespondenzen
auf meiner Seite sein,
und möge mein Wunsch keinem schaden.
So soll es sein!
Anna sieht vor dem geistigen Auge, wie die Göttin die Energie nimmt und im Kosmos verstreut und wie die Göttin lächelt und sie segnet.
Warum sagt Anna: „Bewahre mich vor bösen Folgen“? Sie hat doch nichts falsch gemacht – warum also sollte sie Angst vor bösen Folgen haben? Dafür gibt es zwei Gründe. Magie (Energie) geht immer den Weg des geringsten Widerstands, und wir sind schließlich nur Menschen und machen manchmal Fehler, ohne es zu merken. Darum fügen wir diesen Satz hinzu, den Sybil Leek, eine berühmte britische Hexe, zuerst formuliert hat. Anna bittet auch darum, dass „alle astrologischen Korrespondenzen auf ihrer Seite“ sind, damit das unsichtbare Universum mit ihr arbeitet und nicht gegen sie. Und sie erklärt, dass sie niemandem schaden will, weil sie ja, ohne es zu wissen, etwas falsch gemacht haben könnte.
Nun holt Anna tief Luft und senkt die Arme. Sie schließt die Augen und stellt sich vor, sie sei ein hoher Baum mit tiefreichenden Wurzeln, die Kraft und Ruhe aus Mutter Erde holen. Hexen nennen diese Prozedur „erden“. Anna spürt tiefe Ruhe in ihrem Inneren. Hexen konzentrieren sich dabei auf die Gegend des Nabels und nennen das „zentrieren“. Nach einer magischen Arbeit oder einem Ritual machen alle Hexen diese Übung. Wenn Anna mehr Zeit hätte, würde sie jetzt in „magischen Tagträumen“ schwelgen (sich selbst in einem Film als gute Schülerin sehen), aber das muss sie auf den Abend verschieben.
Anna geht in die Mitte des Kreises und dankt dem Gott und der Göttin für ihre Hilfe. Dann geht sie nach Westen, streckt die Arme aus und schließt diese Himmelsrichtung mit den Worten:
Engel des Westens, Element des Wassers,
danke für deine Hilfe.
Geh, wenn du musst, bleib, wenn du willst.
Sei gegrüßt und leb wohl.
Während sie spricht, verschränkt sie die Arme und beugt den Kopf. Danach geht sie in den Süden und sagt:
Engel des Südens, Element des Feuers,
danke für deine Hilfe.
Geh, wenn du musst, bleib, wenn du willst.
Sei gegrüßt und leb wohl.
Im Osten sagt sie:
Engel des Ostens, Element der Luft,
danke für deine Hilfe.
Geh, wenn du musst, bleib, wenn du willst.
Sei gegrüßt und leb wohl.
Und zum Schluss spricht sie im Norden:
Engel des Nordens, Element der Erde,
danke für deine Hilfe.
Geh, wenn du musst, bleib, wenn du willst.
Sei gegrüßt und leb wohl.
Anna weiß, dass man die Himmelsrichtungen gegen den Uhrzeigersinn schließt, wenn man sie im Uhrzeigersinn geöffnet hat (oder umgekehrt). Da sie Norden zuerst geöffnet hat, schließt sie diese Himmelsrichtung nun zuletzt.
Jetzt muss sie nur noch den Kreis aufheben. Hexen lassen nie einen magischen Kreis oder eine offene Himmelsrichtung „in der Luft hängen“. Du musst jedes magische Ritual beenden, das du begonnen hast.
Auch den magischen Kreis hebt Anna auf, indem sie ihn gegen den Uhrzeigersinn abschreitet, denn sie hat ihn ja im Uhrzeigersinn gezogen. Manche Hexen gehen umgekehrt vor. Anna streckt dabei die rechte Hand aus, beginnt im Norden und stellt sich vor, wie der Energiekreis zurück in ihre Hand fließt. Wenn sie wieder im Norden steht, schickt sie die Energie des Kreises in die Kerze, in den Altar oder in Mutter Erde. Dann klopft sie leise auf den Fußboden und sagt:
Der Kreis ist offen, doch nicht gebrochen.
Wir sind die Menschen,
wir sind die Macht und wir sind der Wandel!
So soll es sein!
Jetzt ist Anna mit ihrem Ritual fertig, das ihr mehr Selbstvertrauen und Erfolg in der Schule bringen soll. Da sie die Kerze nicht brennen lassen will, während sie in der Schule ist, löscht sie die Flamme (bitte nicht pusten, sondern ersticken – wenn du eine Kerze ausbläst, bläst du die Magie fort!). Am nächsten Morgen kann sie die Kerze ohne magischen Kreis und ohne Ritual wieder anzünden und sich vor dem geistigen Auge erneut als erfolgreiche Schülerin sehen. Wenn das Bild ihr entgleitet, löscht sie die Kerze. Das kann sie während einer ungeraden Zahl von Tagen (3, 7, 9 oder 11, weil diese Zahlen magische Kraft haben) wiederholen. Was von der Kerze übrig bleibt, steckt sie in ihre Mappe und nimmt es mit in die Schule, oder sie lässt die Kerze ganz abbrennen.
Jeden Abend vor dem Schlafengehen sieht Anna sich in magischen Tagträumen als erfolgreiche Schülerin. Wenn sich negative Gedanken einschleichen, ersetzt sie diese sofort durch ein Schlüsselwort, zum Beispiel „Erfolg“ oder „Sieg“. Schlüsselwörter dürfen ruhig albern sein, wenn sie dir gefallen. Wichtig ist nur, dass sie ihre Aufgabe erfüllen. Anna setzt dieses Träumen so lange fort – am besten jeden Tag –, bis der Erfolg sich tatsächlich einstellt. Es schadet nicht, wenn sie es ein oder zwei Mal vergisst.
Manche Hexen sagen: Mach deine Magie und dann vergiss sie. In gewissem Sinne haben sie recht. Du sollst dir nach dem Ritual keine Sorgen darüber machen, ob es hilft oder nicht. Denke immer positiv. Wenn du anfängst, negativ zu denken, verringerst du deine Chance auf Erfolg.
Anna erzählt ihren Mitschülern nichts von ihrem Ritual. Hexen folgen dieser Regel: wissen, wagen, wollen, schweigen. Wissen heißt, dass Anna versucht, möglichst viel über sich selbst und ihre Umwelt zu lernen – über das Sichtbare und das Unsichtbare. Wagen bedeutet, dass sie den Mut aufbringt, ihre Wünsche auszudrücken. Wollen heißt, dass sie ihre Gedanken in eine bestimmte Richtung lenkt, um ihr Ziel zu erreichen. Schweigen bedeutet, dass sie versteht, warum manche Leute Angst vor Magie haben oder nicht daran glauben. Wenn andere sie hänseln, schwächen sie die Energie des Rituals.
Wenn du wie Anna vorgehen willst, nimm dir Zeit, über deine Wünsche nachzudenken. Willst du Freundschaft, Wohlstand, Heilung ...? Aber vergiss nicht eine der heiligsten Hexenregeln: Bitte niemals um etwas, was jemand anderem gehört, und greife niemals mit einem Ritual in den freien Willen eines anderen Menschen ein. Das bedeutet auch: Es gibt keinen „Liebeszauber“, der auf einen bestimmten Menschen abzielt! Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme: Du darfst Geist um Heilung für andere Menschen bitten.
Annas Ritual war für sie selbst bestimmt. Wie muss sie vorgehen, wenn es einem anderen gelten soll? Dazu gibt es eine weitere heilige Regel: Praktiziere nie Magie für andere ohne deren Erlaubnis. Das heißt, dass Anna ihrer besten Freundin, die wieder einmal in der Tinte sitzt, nur dann durch Magie helfen darf, wenn die Freundin einverstanden ist. Anna hat aber noch andere Möglichkeiten:
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Gebet. Hexen beten viel. Anna kann an ihren Altar gehen, eine Kerze anzünden und Geist bitten, ihrer Freundin so zu helfen, wie es für sie am besten ist. |
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Liebe. Hexen schicken reine Liebe zu anderen Leuten. Anna kann sich vorstellen, wie die liebevolle Energie des Geistes ihre Freundin einhüllt. |
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Mitgefühl. Auch eine Hexe muss nicht immer Magie und Rituale anwenden. Wir müssen auch unsere anderen Talente nutzen und beispielsweise zuhören, wenn eine Freundin oder ein Mitglied der Familie sich aussprechen will. |
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Praktische Hilfe. Angenommen, deine Freundin möchte auf den Schülerball gehen, kann sich aber kein passendes Kleid leisten. Mit ihrer Erlaubnis kannst du versuchen, ihr durch Magie zu helfen – und gleichzeitig andere Leute um Hilfe bitten (vielleicht hat jemand eine Schwester, die deiner Freundin ein hübsches Kleid borgen würde). |
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Anrufen des Schutzengels. Es ist nie verkehrt, den Schutzengel um Hilfe für dich selbst, Angehörige oder Freunde zu bitten. Dein Schutzengel will dir immer helfen, du brauchst ihn nur darum zu bitten – doch wenn du es nicht tust, darf er dir nicht helfen! |
Du kannst dieses allgemeine Ritual für jede Art Magie verwenden, während du mehr über Wicca als Kunst, Wissenschaft und Religion lernst. Im nächsten Kapitel erfährst du mehr über Magie und magische Sprüche. Ich habe zuerst das Ritual beschrieben, damit du verstehst, dass die Hexenkunst nichts mit Zaubersprüchen und Hokuspokus zu tun hat – sie ist eine Naturreligion, und jede Magie, die eine Hexe praktiziert, ist eine Bitte an den Großen Geist.