Die Hohepriesterin und der Hohepriester
In vielen Büchern über Wicca – vor allem in denen, die sich mit Gruppen befassen – liest du etwas über Hohepriesterinnen und Hohepriester. Manchmal sind die beiden verheiratet, manchmal nicht. Wichtig ist das nicht, weil dieses „Amt“ nichts mit Sex zu tun hat.
Die Hohepriesterin und der Hohepriester sind ein spirituelles Team, das der Gruppe hilft, sich weiterzuentwickeln. Beide übernehmen bestimmte Aufgaben wie Ausbildung, Beratung und die Gestaltung von Ritualen und Zeremonien.
Unsere speziellen Tage
Esbat
Die dreizehn Vollmonde des Jahres strahlen heilige Energie aus, die mit der Großen Göttin und dem Mond zusammenhängt. Nach der Tradition fallen diese dreizehn Vollmonde mit den dreizehn Esbats zusammen. Heute halten viele Hexen jede Woche oder alle zwei Wochen einen Esbat ab. In manchen Wicca-Traditionen gibt es nach dem Ritual ein kleines Festessen. Die Teilnehmer bringen Speisen und Getränke mit, darunter auch etwas Warmes (Suppe beispielsweise). Ein Esbat unter dem Vollmond ermöglicht magisches Arbeiten in einer Zeit, in der die Göttin ihre größte Kraft hat. In manchen Gruppen feiern die Mitglieder den Esbat allein, während der Sabbat der Gruppe vorbehalten ist. In anderen Gruppen werden beide Feste gemeinsam begangen. Wenn du als Hexe allein arbeitest, feierst du natürlich auch Esbat und Sabbat allein. Esbat ist das Fest der schöpferischen Lebenskraft im ganzen Universum, und an diesem Tag praktizieren Hexen häufig Wunsch- und Kerzenmagie, um ihre Ziele zu erreichen. Am Esbat verbinden wir uns mit der Gottheit, einerlei, ob wir allein oder in der Gruppe feiern. Diese innige Beziehung mit dem Geist ist für eine Hexe äußerst wichtig.
In einem Hexenzirkel bietet der Esbat Gelegenheit, sich um die Dinge des Zirkels zu kümmern, die Geschichte der Hexenkunst zu lehren, Magie auszuüben, zu initiieren oder besondere Pläne zu verwirklichen. Wann immer es möglich ist, arbeiten wir dabei in einem magischen Kreis, um die Energie festzuhalten, die wir erzeugen. Hexen, die allein arbeiten, können diese Energie nutzen, um Kontakt mit dem Geist aufzunehmen, zu meditieren oder auf ein Ziel hinzuarbeiten, das ihr Leben bereichern soll. Nach einer alten Tradition versuchen Hexen am Esbat auch, für sich selbst oder für Angehörige und Freunde wahrzusagen. Üblich ist auch eine Zeremonie im magischen Kreis, die bei uns Cakes and Ale heißt (das bedeutet nicht nur „Kuchen und Bier“, sondern auch „Lebensfreude“) und mit der Kommunion vergleichbar ist. Die meisten Hexen nehmen dafür kein alkoholisches Getränk, sondern Fruchtsaft.
Du kannst den Esbat zu Hause oder im Freien feiern, je nachdem, welche Einrichtungen dir oder der Gruppe zur Verfügung stehen und welche Riten geplant sind. Am Esbat haben alle Hexen Gelegenheit, sich mit der Göttin zu verbinden, vor allem im Rahmen einer Mond-Zeremonie. Das „Herabziehen“ des Mondes durch die Hohepriesterin ist in manchen Zirkeln Tradition; in anderen nimmt jedes Mitglied oder die ganze Gruppe daran teil. Auch wenn du allein bist, kannst du die Energie des Mondes in dich aufnehmen.
Wenn Mitglieder eines Zirkels ein bestimmtes Ritual feiern wollen, ist der Esbat ein günstiger Zeitpunkt. In Amerika werden Heiraten und Taufen am Esbat vorgenommen, ebenso Rituale der Göttin, die Weihe von Talismanen, Amuletten, Werkzeugen und so weiter. Wie du siehst, sind Hexen am Esbat ganz schön beschäftigt!
Früher verbrachten die meisten Hexen den Abend des Vollmondes mit Beten, Riten und Magie, um den nächsten Monat anzuziehen. Sie mischten Kräuter, knüpften magische Schnüre, mahlten Pulver und weihten Amulette und Talismane.
In der alten heidnischen Zeit (vor über 4000 Jahren) gab es nur zwei Feuerfeste: Beltane und Samhain. An diesen Tagen begrüßten und verabschiedeten die Menschen die Jahreszeiten der Geburt und des Todes. Zur rechten Stunde und am höchsten Ort zündeten sie nacheinander die Feuer an, bis das ganze Land strahlte. In Europa begann die Zeremonie bei Sonnenuntergang und endete drei Tage später zur gleichen Zeit. Diese Feuerfeste gingen mit Riten der Aussaat, der Ernte und der Jagd einher. Manche Hexen bezeichnen diese Festtage als „Tage der Macht“. Später kamen zwei weitere Feiertage hinzu: Imbolgc und Lammas, so dass es vier Feuerfeste gab. Germanische Stämme feierten außerdem die Tagundnachtgleichen und Sonnwenden und hatten somit acht hohe Festtage.
Im Mittelalter erfanden Chronisten der Kirche böse Geschichten über diese Feiern, um die Menschen davon abzuschrecken. Damals war es durchaus üblich, historische Ereignisse nach Belieben „umzuschreiben“. Der Einfachheit halber nannten diese frommen Chronisten alle acht Festtage „Sabbat“. Dieses Wort ist vom französischen s‘battre abgeleitet, das „ausgelassen feiern“ bedeutet. Kirchenvertreter behaupteten, die Teilnehmer an solchen Festen seien mit dem Teufel im Bunde. Viele Wörterbücher und andere Werke über Volksbräuche bringen diese Sabbate heute noch mit dem Bösen in Verbindung, während andere begonnen haben, historische Unwahrheiten auszumerzen.
Moderne Hexen feiern die acht Festtage ganz ähnlich wie ihre Ahnen. Die Sabbate verfolgen den Lauf der Sonne durch das Jahr und bringen Glück und Wohlstand entsprechend der Jahreszeit. Unsere Sabbate hängen also von der Jahreszeit ab, und wir nutzen die Energie des jahreszeitlichen Wechsels, um unser Leben zu bereichern. Dieser Kreislauf des Wachstums und des Todes wird „Rad des Jahres“ genannt.
Manche Hexen bezeichnen die Sabbate als „Hochfeste“, weil es nach der Zeremonie immer tonnenweise zu essen gibt!
Die Rituale vieler Wicca-Traditionen harmonisieren die männliche mit der weiblichen Energie. Dabei wird ein uralter Mythos nachgespielt, der mit dem jeweiligen Tag zusammenhängt und eine Moral hat. Nicht jede Wicca-Gruppe spielt die gleiche Geschichte am gleichen Feiertag, was Neulinge verwirren kann.
Schauen wir uns die acht Sabbats und einige ihrer üblichen Themen einmal genauer an. Da die Mythen ein ganzes Buch füllen würden, kann ich sie hier nur streifen. Dann hast du wenigstens eine gewisse Vorstellung davon, wenn du weiterlernen und noch mehr Bücher über Wicca lesen willst.
Es gibt vier große Sabbate oder Feuerfeste:
1. Samhain fällt zwischen den 31. Oktober und den 11. November, je nach der Tradition und der Planung einer Gruppe. Dies ist das „Hexen-Neujahr“ und der wichtigste Sabbat von allen. Manche Hexen sagen, dass sich in dieser Nacht die Hügel öffnen, so dass wir den Feen begegnen können – zu unserem Vorteil oder Nachteil.
An diesem Abend ist der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten hauchdünn, und darum denken wir an diesem Fest an die Menschen, die wir geliebt haben und die sich jetzt auf der anderen Seite befinden. Da Hexen an die Reinkarnation glauben, wissen sie, dass unsere Lieben nicht tot sind, weil ihr Geist weiterlebt. Insofern symbolisiert Samhain auch den ewigen Kreislauf des Lebens. Für Hexen ist Samhain das dritte und letzte Erntedankfest der acht Feiertage und zugleich das größte Fest auf dem Rad des Jahres (allerdings ernten wir an diesem Tag nicht). Du kannst deinen Altar mit Kürbissen, Mais, Heu und anderen Feldfrüchten der Jahreszeit schmücken.
Bei manchen Hexenzirkeln ist der große Kessel das wichtigste magische Werkzeug an diesem Sabbat, und bei der Zeremonie geht es darum, die Hexe (weise Frau) einzuladen, damit sie Weisheit bringt, oder die Teilnehmer spielen die Geschichte der Göttin Cerridwen oder den Mythos vom sterbenden Gott nach, so wie man am Karfreitag in der Kirche die Geschichte vom Tod Christi erzählt. Totem-Energien spielen in dieser Jahreszeit eine große Rolle, und die Hexen, die an den vier Himmelsrichtungen stehen, tragen manchmal rituelle Masken, die Totem-Tiere der Gruppe oder einzelner Mitglieder darstellen. Hexen rufen auch mit Trommeln positive Energie oder hilfreiche Geister herbei.
2. Imbolgc – manchmal auch Lichtmess genannt – wird am 2. Februar gefeiert. Bei dieser Zeremonie ehren wir die Göttin, die den Gott geboren hat und sich von der Niederkunft erholt, und wir feiern die Geburt und das Wachstum der Feldfrüchte. Viele Hexen rufen die keltische dreifache Göttin Brigid oder Breid an, die Feuer, Wasser, Heilung, Inspiration und schöpferische Energie symbolisiert. Bei manchen Ritualen trägt die Hohepriesterin eine Krone aus Kerzen, die an die Macht der Göttin erinnert, der wir die hellen Monate des Frühlings und des Sommers verdanken. Imbolgc symbolisiert den ersten Tag des Hexenfrühlings. Manche feiern auch den keltischen Sonnengott Lugh. Das Wort „Lichtmess“ spielt auf die vielen Kerzen an, die man in dieser Nacht anzündet, um das Erwachen der Erde zu feiern. Einige Hexen nennen Imbolgc „Fest des Lichts“, und der Schein der Kerzen zieht auf magische Weise die Energie der Sonne an. Stelle eine Schale mit geschmolzenem Schnee auf den Altar, damit der Frühling schneller kommt. Die Kerze ist das wichtigste magische Werkzeug an diesem Sabbat.
3. Beltane, am 30. April oder 1. Mai gefeiert, ist das Gegenstück des Samhain. Für Hexen ist dieser heilige Tag der zweithöchste Sabbat. Während Samhain an den Tod erinnert, feiern wir an Beltane die Wiedergeburt. Dies ist der heilige Tag des Feuers, das im häuslichen Herd brennt. Als die Hexen das Vierblatt im westlichen Wicca einführten, entfernte die Familie die Äste von einer Kiefer und hob den Stamm auf, um ihn als Maibaum zu verwenden. Weiße und rote Bänder (sie symbolisierten die Göttin und den Gott) wurden oben an der Stange befestigt und flatterten im sanften Frühlingswind, bis die Tänzer sie abrissen und um die Stange wickelten, während lebhafte Musik, Rasseln und Trommeln erklangen. Die Teilnehmer hielten die Bänder zuerst hoch, dann tief und wanden die roten im Uhrzeigersinn und die weißen in der entgegengesetzten Richtung um den Stamm. So woben sie Sicherheit und Fülle in ihr Leben der kommenden Monate. Wenn sie damit fertig waren, tanzten sie im Uhrzeigersinn um den Stamm, um Wohlstand und Wachstum für die Gruppe während der ganzen folgenden Jahreszeit zu sichern. Du kannst deinen Altar mit Weißdorn, Frühlingsgrün, selbstgebastelten Gegenständen, heiligen Steinen (Steine mit natürlichen Löchern), Blumen und anderen Dingen schmücken. Menstruierende Frauen gingen einst mit Besenstielen zwischen den Beinen über die Felder, damit sie fruchtbar wurden. Beltane ist alles andere als ein trister Tag – wir feiern, lachen und haben viel Spaß. Der magische Kreis wird im Osten geöffnet und geschlossen.
Romantik und Liebe spielen an Beltane eine wichtige Rolle, weil wir an diesem Feiertag an die Liebe zwischen dem Gott und der Göttin denken. Lachen, Lieder und Tanz stehen daher im Vordergrund.
An diesem Tag spalten sich viele Gruppen, wenn sie zu groß geworden sind. Neue Studiengänge beginnen, der Zirkel bekommt einen Namen, Titel werden verliehen und so weiter.
4. Lammas, am 1. August gefeiert, ist vor allem ein Sabbat, an dem Lugh, der keltische Sonnengott verehrt wird. Manchmal wird es auch Hochzeitsfest oder erstes Erntefest genannt. Es ist das erste der drei Erntesabbats und das dritthöchste Fest, bei dem wir dem Geist für die Fülle der Erde danken. Der gälische Name dieses Festes ist Lunasa. Meist legen die Hexen Speisen vom Feld oder aus dem Meer auf den Altar und stellen neben den Platz des Rituals einen großen Esstisch. Im Gegensatz zu vielen anderen Feiertagen ist Lammas meist ein ganztägiges Fest mit einem Picknick, Spielen und ausgiebigem Plaudern. Als Altardekoration benutzt man Feldfrüchte, Hochzeitsbänder, Blumen und andere Dinge. In Amerika ist dies das wichtigste Fest der Kornernte, und das Ritual des Brotbackens ist oft ein Teil der Feier.
Lammas ist das Erntedankfest der Hexen und hat dem heutigen amerikanischen Erntedankfest Pate gestanden.
Hexen feiern auch weniger bedeutende Sabbate, Vierblatt-Sabbate genannt, und dazu die vier Feuerfeste, die ich schon erwähnt habe. Diese kleineren Sabbate sind:
1. Die Wintersonnwende oder das Julfest, das etwa am 21. Dezember gefeiert wird (das Datum der Sonnenwende und der Tagundnachtgleiche ändert sich jedes Jahr ein wenig). An der Wintersonnenwende freuen die Hexen sich über die Wiedergeburt des Gottes, der den Menschen Wärme und Fruchtbarkeit zurückbringt. Früher lockte man ihn mit Kerzen und Lichtern aus dem Schoß seiner Mutter. Es ist üblich, alle Lichter (oder eine Öllampe auf dem Altar) eine Nacht lang brennen zu lassen. Nach einer alten Sage kämpft in dieser Zeit der Eichenkönig (der Herrscher des schwindenden Jahres) gegen den Stechpalmenkönig (den Herrscher des kommenden Jahres). Für die Hexen ist der Stechpalmenkönig der „Weihnachtsmann“, weil er rote Kleider und Stechpalmenzweige an der Mütze trägt und in einem Schlitten fährt, den acht Hirsche (Symbole des gehörnten Gottes) ziehen.
Hexen betrachten den Julbaum als „Wunschbaum“. An ihm hängen alle deine Wünsche für das kommende Jahr. Die Kiefer symbolisiert die Göttin, weil sie im Winter grün bleibt. Bewahre ein kleines Stück vom Stamm für das Julfest im nächsten Jahr auf. Den restlichen Stamm kannst du neben einem magischen Kreis in die Erde stecken, damit er einen Schutzschild bildet, oder du bewahrst ihn auf und nutzt ihn später als Maibaum.
Der Kranz ist das Sinnbild des Jahresrades, und die Dinge, die du auf ihn legst, sollten die Wünsche symbolisieren, die du bis zum nächsten Julfest gerne erfüllt sehen würdest.
Vielleicht glaubst du jetzt, dass Hexen das Weihnachtsfest kopieren – aber das Gegenteil ist richtig. Die ersten christlichen Gelehrten konnten sich nicht auf das Geburtsdatum Christi einigen, und da die Kirche ohnehin die Heiden bekehren wollte, machte sie deren Julfest kurzerhand zum Weihnachtsfest.
2. Die Frühlings-Tagundnachtgleiche oder Ostara fällt auf den 21. oder 22. März. Dieser Feiertag, der auch „Tag der Göttin“ genannt wird, symbolisiert die Rückkehr der Fruchtbarkeit auf die Felder. Er ist besonders stark von den nordischen, griechischen und römischen Gottheiten geprägt.
In manchen Wicca-Traditionen denkt jede Hexe eine Woche vor diesem Tag an das Unrecht, das sie ihren Angehörigen und Freunden zugefügt hat. Sie schreibt alles auf und bemüht sich während der Woche, mit den Betroffenen ins Reine zu kommen – durch eine Entschuldigung, das Begleichen von Schulden und so weiter. Zur Feier des Zirkels bringt sie die Liste mit, verbrennt sie und löst damit ihr Karma auf.
Bei einfachen Familienfeiern werden Eier gefärbt, vor allem wenn die Hexe Kinder hat. Viele Hexen feiern Ostara erst, wenn die Kinder Schulferien haben, so dass das Fest sich dem Osterfest nähert.
3. Die Sommersonnwende am 21. oder 22. Juni feiert die Kraft des Gottes, seine Leidenschaft und seinen Ruhm. An diesem Tag erreicht der Gott den Gipfel seiner Kraft. Das Feuer wird oft mit den neun traditionellen Hölzern entzündet. Der Eichenkönig und der Stechpalmenkönig, die am Julfest gekämpft haben, kehren zurück und streiten sich erneut. Dieses Mal gewinnt der Stechpalmenkönig und regiert bis zum Julfest. Hexen stellen in dieser Zeit ihre schützenden Sonnenamulette her. Alle heiligen Pflanzen erreichen jetzt – wie bei den Druiden – den Höhepunkt ihrer magischen Kraft. Darum pflücken die Hexen sie an diesem Tag.
Hausgeister und Haustiere bekommen an diesem Fest einen Ehrenplatz, und die Hexen nehmen die Tiere mit in den magischen Kreis, damit sie gesegnet und geschützt werden.
4. Die Herbst-Tagundnachtgleiche am 21. oder 22. September wird auch Mabon genannt. So heißt der walisische Gott, der in der Arthursage die männliche Fruchtbarkeit symbolisiert. Wie Ostara feierten die Hexen auch diesen Sabbat erst, als die Wikinger die Inseln besetzten. Am Mabon entfernen wir Dinge aus unserem Leben und feiern die weiblichen Toten der Familie. Manche keltischen Hexen glaubten, dass nur Frauen in Tirnanog wohnen, weil der Schoß der Göttin den Gott wieder aufnahm. Darum hieß dieser Ort „Land der Frauen“. Die Hexen schnitzten neue Zauberstäbe aus Weiden, so wie die alten Druiden es getan hatten.
Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist das zweite Erntefest im Herbst. Darum legen wir Blätter, Früchte, Kürbisse, getrockneten Mais und andere Dinge auf den Altar.
An den Tagundnachtgleichen ist der Tag gleich lang wie die Nacht, und darum sind diese Tage des universellen Gleichgewichts sehr mächtig. Die Wintersonnwende am kürzesten Tag des Jahres symbolisiert die Wiedergeburt der Sonne. Von da an werden die Tage wieder länger. An der Sommersonnwende erreicht die Sonne ihren Gipfel am Himmel, und dieser brennende Höhepunkt symbolisiert die große, königliche Macht des Gottes. Die ganze Natur schwingt sich jetzt zu ihrer vollen Kraft auf. Für Hexen sind die Sonnwenden Festtage, die Tagundnachtgleichen eher Tage der Besinnung und Selbstprüfung.
Die größeren und kleineren Sabbate bilden acht Speichen im Rad des Jahres, das die Reise durchs Leben symbolisiert. Wir sind alle ein Teil des großen Planes; wir verändern uns und kehren zum Anfang zurück. Wenn du die Sabbate feierst, stellst du dich auf dieses Rad. Traditionell gehört die Weihe der Kuchen und Getränke (die „Kommunion“) zur Sabbatfeier, und das Ritual spiegelt das Drama der Jahreszeit wider.
In Britannien war das Festessen sowohl an Esbats als auch an Sabbats Brauch. Meist sorgte der Gastgeber der Versammlung für Fleisch oder Eintopf, und die anderen brachten Wein mit. Wenn das Treffen im Freien stattfand, wurde im großen Kessel Suppe oder Eintopf gekocht. Manchmal speisten die Hexen während des Rituals, ein andermal verließen sie dazu den magischen Kreis. Wer musikalisches Talent hatte, spielte ein Instrument, und alle anderen tanzten. Moderne Hexenzirkel haben einige alte Bräuche übernommen. In manchen Gruppen ist es üblich, dass die Teilnehmer schmückendes Beiwerk für den Altar und als Geschenk für die Götter mitbringen: Blumen, Grünpflanzen, Kiefernzapfen, Kürbisse, Kerzen, Weihrauch und andere geeignete Gegenstände.
Manche Hexen, die keinem Zirkel angehören, schmücken ihre Wohnung und ihren Altar, kochen etwas Besonderes, feiern eine kleine Zeremonie am Altar und so weiter. Viele praktizieren Magie hauptsächlich bei Vollmond