Ich lasse mein Licht leuchten
Zünden wir also das Licht
der Wahrheit an, damit es die garstigen Lügengeschichten entlarvt, die du
vielleicht schon gehört hast. Wenn wir das geschafft haben, kann Wicca dir
helfen, ein besserer Mensch zu werden. Dafür brauchst du natürlich keine Hexe zu
sein. Es gibt viele Religionen auf der Welt, und jede erfüllt die Bedürfnisse
ihrer Anhänger. Für mich ist Gott ein großer, schöner Diamant mit vielen
Facetten. Jede Facette ist eine positive Religion. Auch wir Hexen halten uns
für eine dieser Facetten. Das Christentum, das Judentum, der Islam und Hunderte
von anderen positiven Religionen sind ebenfalls Teile dieses Diamanten.
Zusammen sind wir alle eins. Ich habe dieses Buch für dich geschrieben, damit
du verstehst, was Hexen denken, glauben und tun. Aber am besten fangen wir
damit an, was sie nicht tun ...
Was Hexen nicht tun
Sie
verletzen keinen Menschen körperlich, seelisch oder geistig oder durch Magie.
Hexen
haben geschworen, Menschen nicht zu verletzen, sondern ihnen zu helfen. Wenn du
anderen schadest, bist du keine echte Hexe.
Sie
nehmen keine illegalen Drogen.
Die
Gesetze unseres Landes verbieten das, und außerdem machen diese Drogen krank.
Auch Hexen gehen zum Arzt, wenn sie krank sind. Sie wenden zwar auch Magie an,
um Kranken zu helfen, aber sie behaupten auf keinen Fall, dass dies ein Ersatz
für die richtige medizinische Behandlung sei. Hexen sind für Magie und Medizin.
Hexen
meiden die schwarze Magie, weil sie wissen, dass alles, was sie in dieser Welt
oder in der magischen Welt tun, dreifach zurückkehrt.
Wenn du
Gutes tust, wirst du belohnt. Wenn du Böses tust, wirst du bestraft – und die
Strafe ist hart. Ein Wicca-Reim warnt: „Denk ans Gesetz der Drei: Du kriegst
stets, was du gibst – ob‘s dir gefällt, ist einerlei.“
Sie
brausen nicht auf Besen durch die Lüfte.
Wir
kaufen Autos und LKWs und fahren auf der Straße wie alle anderen. Wenn wir uns
in den Himmel aufschwingen möchten, kaufen wir ein Flugticket.
Hexen
verspeisen keine Babys.
Wir
lieben Babys. Wir wollen, dass sie groß und stark werden und anderen Gutes tun
– zum Beispiel einen Impfstoff gegen AIDS, Krebs oder Schnupfen finden.
Sie
töten keine Tiere (oder andere Lebewesen). Echte Hexen lieben und achten Tiere.
Tiere
sind wie Menschen ein Teil des Großen Geistes. Hexen sind große Tierfreunde.
Wir haben Hunde, Katzen, Wüstenspringmäuse, Kaninchen und so weiter, und sie
leben alle lange und glücklich und wir gehen mit ihnen regelmäßig zum Tierarzt.
Sie
lügen nicht wie gedruckt und verdrehen auch nicht die Wahrheit.
Wir
achten auf unsere Worte und wissen, dass eine Hexe so gut ist wie ihr Wort.
Hexen
verabscheuen sexuelle Perversionen.
Damit
sollte dieses Thema erledigt sein. Es betrifft uns nicht!
Sie
trinken weder Blut von Tieren noch Menschenblut, noch ihr eigenes Blut, und sie
benutzen es auch nicht für magische Riten.
(Wie du
dein Steak magst, hat nichts mit Hexenkunst zu tun!)
Sie
ändern die Haarfarbe nicht in Sekundenschnelle.
Wir
kaufen uns Haarfärbmittel genau wie unsere Mütter, damit unsere grauen Haare
verschwinden.
Sie
stehlen nicht und begehen keine sonstigen Straftaten.
Ein
Dieb bestiehlt – energetisch betrachtet – sich selbst, und das ist dumm.
Sie
missbrauchen keine religiösen Symbole, weder das Kreuz noch den Davidstern, und
sie entweihen keine Gräber oder Heiligenbilder.
Wir
ehren die Toten wie die Lebenden.
Hexen
beschwören keine Dämonen.
So blöd
sind wir nicht.
Sie
beten nicht den Teufel an.
Wir
glauben nicht an ihn. Wir geben dem Teufel oder Satan keinen Namen, denn
dadurch würden wir das Böse stärker machen.
Sie
glauben nicht an die Hölle.
Echte
Hexen glauben, dass wir für unser Tun selbst verantwortlich sind und dass wir
für alles Böse, das wir tun, in diesem Leben oder im nächsten bezahlen müssen.
Mit anderen Worten: Wir glauben an die Reinkarnation. Darum geben wir uns große
Mühe, nichts Böses zu tun.
Sie
zwingen oder überreden niemanden, sich ihnen anzuschließen.
Wicca
ist kein Kult, sondern eine in den USA anerkannte Religion, die Kirchen bauen
und deren Geistliche Trauungen vollziehen dürfen. Wir taufen unsere Kinder,
sogar mit Wasser. Auf der Konferenz der Weltreligionen im Jahr 1994 wurde Wicca
von den anderen Religionen (Katholiken, Juden, Buddhisten und vielen
protestantischen Kirchen) als Religion anerkannt.
Hexen
lehnen satanische Symbole ab.
Das
Hexen-Pentagramm (der fünfzackige Stern in einem Kreis) symbolisiert die vier
Elemente und den Menschen, umgeben vom Großen Geist; es hat nichts mit
Satanismus zu tun, und Hexen werden sehr wütend, wenn andere es dafür
missbrauchen.
Hexen
müssen nicht initiiert werden, um die Hexenkunst auszuüben.
Wenn
sie sich einer Wicca-Gruppe anschließen möchten, kann es allerdings sein, dass
eine Initiation notwendig ist. Du kannst dich nicht selbst initiieren, aber du
kannst dich dem Großen Geist weihen. Initiationen geben darüber Auskunft, wie
weit deine Ausbildung oder deine spirituelle Entwicklung innerhalb der Gruppe
gediehen ist. Unsere Ältesten geben durch bestimmte Zeremonien Macht/Erbe
weiter. Man kann nicht weitergeben, was man nicht bekommen hat; darum tun die
Ältesten das. Bei Initiationen wird dein spiritueller Fortschritt gefeiert.
Böses ist damit nicht verbunden.
Sie
werden nicht über Nacht zu Hexen.
Heute
Baptistin, morgen Wicca-Anhängerin? Das geht nicht. Hexenkunst setzt eine Menge
Hingabe, Studium und Ausdauer voraus. Das ist ein Prozess des Wachstums und der
Freude. Wenn du dir ein Pentagramm umhängst, ein schwarzes Kleid und eine
schwarze Bluse anziehst, die Fingernägel mit einer ekligen Farbe anmalst und
ein schrilles Make-up auflegst, bist du noch lange keine Hexe. Das ist nämlich
nicht der letzte Schrei. Und schwarze Kleider sind ebenfalls nicht notwendig,
nicht einmal das Pentagramm. Wenn du dich so kostümierst, lachen echte Hexen
höchstens darüber. Echte Hexenkunst bedeutet eine ganze Menge Arbeit. Nicht
Kleider, sondern deine Überzeugung und dein Studium machen dich zur Hexe.
Hexen
greifen keine anderen Menschen an, aber sie wehren sich, wenn sie angegriffen
werden.
Sie
reiben nicht jedem unter die Nase, dass sie Hexen sind.
Wir halten uns an die
Hexen-Pyramide: wissen, wagen, wollen und schweigen. Wissen bedeutet, dass wir
ständig nach der ahrheit suchen und stark in unserem Glauben sind. Wagen heißt,
dass wir uns nicht vor dem Unbekannten fürchten und dass wir den Mut haben,
anders zu sein und möglichst viel zu lernen. Wollen heißt, dass wir uns
bemühen, möglichst gute Menschen zu sein. Schweigen bedeutet, dass wir die
Macht der Gedanken respektieren. Wenn wir anderen – vor allem Leuten, die
unsere Ansichten nicht teilen – von unserer Magie erzählen, verlieren wir einen
Teil unserer Kraft. Darum reden wir darüber nur mit Gleichgesinnten und lassen
andere in Ruhe.
Hexen
befassen sich nicht unbedingt mit Magie.
Die
meisten Hexen üben sich in den magischen Künsten, doch einige der nettesten
Hexen, die ich kenne, verzichten darauf (aber sie beten).
Sie
meiden Klatsch und Lügen und tun anderen nie absichtlich weh.
Hexen
praktizieren nie magische Riten, die sie nicht voll und ganz verstehen.
Sie
verlangen kein Geld, wenn sie für andere Magie praktizieren oder beten.
Es kann
aber sein, dass sie ihre Unkosten ersetzt haben möchten.
Sie
prahlen nicht mit ihrer Magie oder mit anderen Fähigkeiten.
Hexen
belegen andere nicht mit Liebeszauber, sie versuchen nicht, andere auseinander
zu bringen, um davon zu profitieren, und sie greifen auch nicht auf andere
Weise in den freien Willen anderer ein.
Wir
streben nach Liebe und Harmonie in unserem Leben, aber nie auf Kosten anderer.
Sie
misshandeln keine Tiere. Echte Hexen praktizieren zwar Magie mit Tieren, aber
sie respektieren alle Lebewesen.
Wir
tanzen nicht um Kröten, Katzen oder Spinnen herum und ziehen irgendeinen
Hokuspokus ab, und wir werfen auch keine Tiere in dampfende Kessel. Wir
verwenden vielleicht Katzenmieren, aber keine Katzennieren, und wenn wir
Löwenzahn essen, meinen wir das Kraut.
Jetzt
liegt dir bestimmt eine Frage auf der Zunge: Wenn Hexen nicht an das Böse
glauben und nichts Böses tun, warum haben die Leute dann Angst vor ihnen? Das
ist eine gute Frage, die eine gute Antwort verlangt. Die Menschen fürchten, was
sie nicht verstehen, und manche Leute verstehen die Hexen ganz offensichtlich
nicht. Hexen wollen ihr Leben und das Leben anderer Menschen besser und
harmonischer machen. Wer sich nicht ändern will, hat Angst davor. Außerdem
wollen manche Leute nicht zugeben, dass sie sich geirrt haben – sie denken, sie
stünden dann als Dummköpfe da.
Natürlich
spielt es auch eine Rolle, dass die meisten Hexen eine Aura der Kraft
ausstrahlen. Du brauchst uns nur anzusehen, um zu merken, dass wir „anders“
sind. Wir haben dich weder verhext noch dein Urteil getrübt – wir studieren und
bemühen uns, anständig zu leben. Und das sieht man uns an. Vorigen Monat bekam
ich einen Brief von einem sechzehnjährigen Mädchen namens Judy. Sie berichtete,
ihre beste Freundin habe ihr nach ein paar Monaten vorgeworfen, sie nehme
Drogen. „Wie kommst du denn darauf?“, fragte Judy. Die Freundin erwiderte: „Du
hast dich verändert. Du bist gelassener und wirst nicht mehr so leicht wütend.
Das merken doch alle.“ Judy lachte und sagte: „Du Dummerchen – ich studiere
Wicca.“ Dann gab sie ihrer Freundin mein Buch To Ride A Silver Broomstick: New
Generation WitchCraft. Jetzt lernt ihre Freundin ebenfalls, wie man ein
besseres Leben führen kann.
So,
jetzt werden wir aber sehen, woran Hexen tatsächlich glauben.
Woran glauben Hexen?
Sie
glauben an Gott als universelle, positive Energie.
Für uns
sind der Gott und die Göttin Aspekte dieser universellen Kraft. Das ist für
neue Wiccaner verwirrend, darum möchte ich es am Beispiel des Christentums
erklären, weil ich früher selbst Christin war und diese Religion daher gut
kenne. Es gibt viele christliche Kirchen und Sekten: Lutheraner, Reformierte,
Katholiken, Zeugen Jehovas, Baptisten, Orthodoxe und so weiter. Alle glauben,
dass sie den wahren Glauben gepachtet haben und dass alle anderen sich irren.
Trotzdem nennen sich alle Christen. Protestanten halten zum Beispiel nicht viel
von Heiligen oder Schutzengeln, während Katholiken ständig diese beiden Aspekte
des Göttlichen verehren. Beide haben recht (obwohl sie anderer Meinung sind –
aber wir wissen, dass jede Spiritualität heilig ist, nicht wahr?). Bei Hexen
ist es ähnlich. Da ich dich nicht verwirren will – du fängst ja erst an zu
lernen –, gehe ich hier nicht auf verschiedene Sekten ein. Du kannst in meinem
eben erwähnten Buch mehr darüber lesen. Keine Sekte ist besser als andere. In
diesem Buch möchte ich mich nur mit der universellen, positiven Energie
befassen.
Hexen
achten alle positiven Religionen.
Denke
an den großen, vollkommenen Diamanten: Seine Facetten sind die Religionen der
Welt. Hexen machen sich nicht über andere Religionen lustig und erwarten, dass
andere sich nicht über die Hexenkunst lustig machen.
Sie
glauben, dass wir alle eins sind.
Wir
sind eins mit dem Großen Geist, mit den Menschen, Tieren, Pflanzen, Elementen
und so weiter.
Sie
glauben an das Gebet.
Wir
beten oft, weil Beten den Menschen guttut. Wir wissen, dass aufrichtige Gebete
große Macht haben.
Hexen
befolgen bestimmte Regeln, und zwar spirituelle Regeln, praktische Regeln und
die Regeln ihrer Gruppe.
Sie
glauben an Karma:
Auf
jede Aktion folgt eine Reaktion. „Denk ans Gesetz der Drei: Du kriegst stets,
was du gibst – ob‘s dir gefällt, ist einerlei.“
Sie
haben begriffen, dass wir in Harmonie mit anderen leben müssen, damit alle auf
Erden glücklich sein können.
Darum
arbeiten wir mit positiven Energien.
Sie
glauben, dass ein Mensch einen körperlichen, einen seelischen und einen
geistigen Aspekt hat.
Wir
bemühen uns, alle drei Aspekte zu harmonisieren.
Sie
nutzen ihren gesunden Menschenverstand.
Wir
sind beispielsweise nicht so töricht, betrunken Auto zu fahren.
Sie
wissen, dass Gedanken Dinge sind.
Darum
achten wir darauf, was wir über uns selbst und andere denken.
Sie
wissen, dass Macht mit der Weisheit zunimmt.
Es ist
unklug, Menschen Angst einzujagen, und Hexen verlieren Macht, wenn sie das tun.
Es ist abscheulich, anderen mit Magie zu drohen. Wer damit prahlt, hat keine
echte Macht. Wir glauben übrigens auch, dass keine Religion den Menschen Angst
machen darf.
Hexen
wissen, dass Magie ihre größte Gabe ist.
Wenn
wir sie missbrauchen, nimmt der Große Geist uns unsere Gaben weg. Wenn wir
positive Magie anwenden, kehrt diese gute Energie dreifach zu uns zurück.
Sie
arbeiten allein oder in magischen Zirkeln mit anderen.
Der
Zirkel symbolisiert unseren Tempel oder unsere Kirche. Aus Respekt vor dem
Großen Geist bringen wir nie Eifersucht, Hass oder Wut in den magischen Zirkel
mit.
Hexen
glauben, dass es verschiedene Arten des Gottesdienstes gibt.
Jeder
Mensch verehrt das Göttliche auf seine Weise. Wir haben keine zentrale Führung,
keine einzelnen Sprecher und keine Dachorganisation. Jede Hexe drückt die Macht
ihres Glaubens in der heutigen Welt aus. Die Tatsache, dass ich Bücher über das
Thema Hexenkunst schreibe und viele Leute mich kennen, bedeutet nicht, dass ich
besser als andere Hexen bin. Meine Fähigkeiten sind nicht größer oder besser
als deine. Da jede Hexe die Hexenkunst auf ihre Weise praktiziert, gibt es
natürlich Unterschiede. Was ich dir hier erkläre, entspricht der Generallinie
der Hexenkunst, so wie ich sie verstehe. Dabei stütze ich mich auf meine eigene
Erfahrung, auf die Erfahrung meiner Lehrerinnen und auf die Erfahrungen von
vielen tausend Hexen, die ich auf meinen Reisen kennen gelernt habe.
Ja, das
war eine Menge Stoff zum Nachdenken, nicht wahr? Niemand braucht vor Wicca
Angst zu haben. Ich muss es wissen, denn ich studiere die Hexenkunst seit über
dreißig Jahren. Wenn ich der Meinung wäre, dass hier Böses auf mich lauert,
würde ich mich schnurstracks verabschieden. Einerlei, ob du prominent bist,
eine Auszeichnung in Agrarwissenschaft bekommen hast, auf dem Land oder in der
Stadt lebst – Wicca spricht dich an, wenn du es willst.
Ich mag
Wicca aus einem wichtigen Grund: Ich bin nie von anderen Menschen oder von
Dingen abhängig, egal was geschieht. Ich kann selbst etwas tun, um die Lage zu
verbessern. Das ist das Schöne an der Hexenkunst.