Meditation

 

Wenn junge Leute zu meditieren beginnen, klagen sie oft, es sei zu schwierig. In Wirklichkeit sind sie nur ungeduldig. Meditation ist magisches Tagträumen für Fortgeschrittene. Du wählst eine bestimmte Tageszeit aus und meditierst zehn bis dreißig Minuten. Bei manchen dauert es ein Jahr oder länger, bis sie es schaffen, so lange still zu sitzen und sich zu konzentrieren.

Theoretisch gibt es zwei Arten von Meditation. Bei der einen konzentrieren wir uns auf ein bestimmtes Objekt, bei der anderen nutzen wir unsere Phantasie. Beide Methoden stärken den Geist und das Konzentrationsvermögen. Zur Meditation gehört auch das Visualisieren – du „siehst“ ein Bild vor dem geistigen Auge. Ich bringe meinen Schülern und Schülerinnen zuerst das magische Tagträumen bei, dann erst die Meditation, die mehr Disziplin erfordert.

Viele Anfänger machen den Fehler, dass sie zu schnell zu viel erwarten. Sie wollen gleich beim ersten Mal eine halbe Stunde sitzen und Erfolg haben. Das klappt nicht.

Wenn wir zu meditieren beginnen und uns für eine gewisse Zeit auf ein bestimmtes Objekt (oder auf gar nichts) konzentrieren, wird der Körper rebellisch. Es juckt. Wir wollen uns bewegen. Allerlei störende Gedanken stellen sich ein, egal wie intensiv wir uns auf das „Objekt“ oder das „Nichts“ konzentrieren. Das ist kein Grund zur Sorge – es ist normal. Das Unbewusste lässt sich nicht gerne überlisten, und genau das beabsichtigst du mit der Meditation. Du versuchst, das Bewusstsein mit all seinen plappernden Gedanken zu umgehen und direkt ins Zentrum deines Selbst vorzustoßen. Das Bewusstsein spielt dir gerne einen Streich und bemüht sich nach Kräften, deinen Plan zu vereiteln. Trotzdem bist du schlauer und eines Tages hast du Erfolg. Übung heißt das Zauberwort.

Als ich meine Kinder meditieren lehrte, legte ich eine schöne CD auf (keine laute Musik – die hören wir zum Spaß), und sie setzten sich bequem hin. Dann wies ich sie an, sich so lange wie möglich auf ein bestimmtes Objekt zu konzentrieren. Wenn die Gedanken abschweiften, wählten sie ein anderes Objekt. Wir übten jedes Mal nur fünf Minuten. Im Laufe des Sommers lernten sie, ein Bild fünf Minuten festzuhalten. Schon das kann einige Mühe machen.

 

Wenn die Meditation schwierig ist, warum brauchen wir sie dann? Zunächst einmal ist Meditieren gesund und du kannst sie unabhängig von deiner Religion ein Leben lang praktizieren. Heutzutage ist es wichtiger denn je, Stress abzubauen. Wir wissen, dass jede Krankheit im Geist beginnt, weil Körper, Seele und Geist miteinander verbunden sind. Ich weiß, du bist noch jung und denkst nicht an Krankheit und Stress. Aber selbst Dreizehn- oder Achtzehnjährige leiden heute schon an Stress. Schuld sind Leistungsdruck in der Schule, heftige Gefühle, Einsamkeit, Angst vor dem Erwachsensein oder auch Erregung beim Gedanken an die Zukunft. Stress ist in gewissem Umfang gut für uns, aber nicht immer. Junge Leute verschwenden oft keinen Gedanken an Stress, weil sie meist einen gesunden, starken Körper haben und weil es einige Zeit dauert, bis der Stress seine Spuren hinterlässt. Wenn du älter wirst, macht der Stress dich schneller krank als in der Jugend. Die Meditation hilft dir, Wut, Einsamkeit und Ängste zu bewältigen, so dass du ein positiv denkender, gesunder Mensch werden kannst. Wenn du krank bist, unterstützt die Meditation die Genesung, sofern du dich dabei auf einen gesunden Körper und Geist konzentrierst.

Für Hexen ist die Meditation eine Methode, die Gedanken zu bündeln. Das ist wichtig beim Beten, bei Ritualen und bei magischen Sprüchen. Wenn wir gelernt haben, ein visualisiertes Bild festzuhalten, wirkt unsere Magie schneller und besser.

Geführte Meditation gleicht dem magischen Tagträumen, abgesehen davon, dass du einem „Drehbuch“ folgst. Du kannst es selbst schreiben oder dir eine Meditationskassette kaufen. Hör dir das Band vor dem Kauf an und kaufe es nur, wenn die Stimme des Sprechers und der Inhalt dir gefallen. Ermutige auch deine Eltern zu meditieren. Glaub mir, auch sie brauchen seelischen Frieden.

 

 

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