Singen und magische Musik
Musik, sei es Singen, Flötenspiel oder Trommeln, ist das Erzeugen von Tönen. Wenn wir diese Töne dem Geist widmen, ist das eine Art Gebet. Rhythmen versetzen das Gehirn in den sogenannten Alphazustand, in dem die Magie am besten wirkt. Der Alphazustand ist etwas ganz Natürliches: Wenn du isst, fernsiehst, Auto fährst, liest, in Tagträumen schwelgst und so weiter, gerät dein Gehirn in diesen Zustand. Angenommen, du fährst die magische Autobahn des Lebens entlang. Wenn viele Hindernisse auf der Straße liegen, klappt deine Magie nicht so recht. Sorgen, Wut, Eifersucht und so weiter können solche Hindernisse sein. Wenn wir magisch arbeiten, müssen wir eine alte Regel befolgen: „Bleib kühl, ruhig und gesammelt.“ Hexen praktizieren keine Magie, wenn sie zornig sind. Sie entspannen sich, ordnen ihre Gedanken und verjagen negative Gefühle. Verwechsle das nicht mit Zaudern. Verzichte nicht auf Magie in der Hoffnung, morgen werde alles besser sein. Das ist nur eine Ausrede. Aber benutze die Magie auch nicht, um dich aus einem Schlamassel zu retten, an dem du selbst schuld bist, weil du zu faul warst, etwas dagegen zu unternehmen. Die Magie wirkt durchaus, aber oft muss erst das Schlimmste geschehen, bevor Geist bereit ist, die Wogen zu glätten, die du aufgewirbelt hast. Also lerne gefälligst, unangenehme Situationen zu verhindern, und warte nicht, bis du in der Tinte sitzt.
Wie lange sollte magische Musik dauern? So lange du willst. Du kannst ein Lied auf deiner Klarinette spielen, zehn Minuten trommeln oder eine CD laufen lassen. Ja, du kannst Gott auch Musik widmen, die andere komponiert haben oder singen! Warum nicht? Ich habe meinen Kindern das Trommeln beigebracht. Wir haben Dschembes, Dumbeks, Bodhrans und Trommeln von Schamanen. Außerdem habe ich eine große Sammlung von Rasseln und Tamburinen. Beim Trommeln fängt man langsam an, erhöht dann die Energie und trommelt lauter und immer schneller, bis man bereit ist, die angesammelte Energie loszulassen. Wenn du mit Freundinnen arbeitest, übernimmt eine von euch die Führung und beendet das Stück mit „Eins, zwei, drei, vier, fünf!“ Bei „fünf“ hören alle auf zu trommeln. Meist gibt die Trommel mit dem tiefsten Klang den Ton an, sie ist sozusagen der Herzschlag der Magie. Wenn du keine Trommel besitzt, kannst du dennoch trommeln. Stelle einen Mülleimer aus Kunststoff mit der Öffnung nach unten auf Holzblöcke, damit die Töne herauskönnen. Du wirst von den schönen Klängen überrascht sein. Ich habe gehört, dass eine Hexe bei einem Wicca-Fest den Boden einer großen Mülltonne herausschnitt und die Öffnung mit mehreren Schichten Packpapier zuklebte. Dann nahm sie die Tonne so zwischen die Beine, dass das offene Ende frei blieb, und schlug mit dieser Trommel den Rhythmus.
Auf meinen ersten Wicca-Festen beobachtete ich die Trommler und die Wirkung der Klänge auf die Menschen. Damals lernte ich, dass die große Macht der Musik nicht in den Worten, sondern im Rhythmus liegt. Du kannst eine schlechte Trommlerin sein und trotzdem Magie praktizieren. Auch hier gilt: Übung macht die Hexe!
Bevor du mit dem Trommeln oder Rasseln anfängst, denkst du dir eine Affirmation aus (siehe auch nächste Seite) und schlägst dazu den passenden Rhythmus. Du kannst zum Beispiel sagen: „Beschütze mich, Großer Geist“, „Heile mich, Großer Geist“ oder „Ich bestehe die Prüfung“ (Was die Prüfung betrifft, darfst du aber das Lernen nicht vergessen, versprochen?). Beginne langsam, passe den Rhythmus deinen Worten an, und trommle dann allmählich schneller, so lange du willst. Wenn du spürst, dass du genügend Energie angesammelt hast, hörst du auf und gibst die Energie frei (und dann ab an die Hausaufgaben!).