Spontane Rituale

 

Für spontane Rituale gibt es natürlich keine festen Regeln – sie sind Produkte deiner Kreativität, dein Geschenk an den Geist. Zu einem spontanen Ritual gehören aber meist der magische Kreis und das Anrufen der Himmelsrichtungen. Der Rest liegt ganz bei dir. Wichtig ist nur, dass deine Absichten rein sind und du mit dem Geist arbeitest. Michaela, eine sehr talentierte junge Künstlerin, zieht beispielsweise einen magischen Kreis, ruft die Himmelsrichtungen an und arbeitet dann an ihren Projekten. Dagegen ist nichts zu sagen. Wenn sie müde ist, entlässt sie die Energie der Himmelsrichtungen und hebt den Kreis auf.

Ein magischer Kreis kann mit dir reisen. Donald, ein hervorragender Fotograf, segnet seine Fotoausrüstung am Altar und lädt sie mit Energie, bevor er hinausgeht, um zu knipsen. Er zieht auch dort einen magischen Kreis um sich selbst und bittet Geist, ihm zu helfen, damit er schöne Bilder bekommt.

Karin ist ein begeistertes Mitglied der Theatergruppe ihrer Schule. Vor jeder Probe und erst recht vor jeder Aufführung bittet sie Geist, ihr zu helfen, damit sie ihr Bestes geben kann. Auch während der Aufführung zieht sie einen magischen Kreis um sich selbst und die anderen Schauspieler, um geschützt zu sein und die nötige Energie zu bekommen. Die Göttin sagt: „Alles, was du aus Liebe und Freude tust, ist mein Ritual.“

Die meisten Hexen nutzen für derartige Zwecke ein allgemeines Ritual, ein Esbat-Ritual oder ein spontanes Ritual. Die Form ist unwichtig, sofern du dich dabei wohl fühlst.

 

Briefe von jungen Leuten

 

In diesem Abschnitt möchte ich auf einige Fragen und Probleme von Jugendlichen eingehen. Ich habe sie Briefen entnommen, die mich im Laufe der Jahre erreicht haben.

 

1.Ich traue mich nicht an ein Ritual heran – vielleicht beschwöre ich etwas herauf, was ich nicht dürfte. Was soll ich tun?

Du kannst nichts heraufbeschwören, was du nicht ausdrücklich rufst. Kein Dämon lauert in der Dunkelheit auf dich. Keine Teller oder Möbelstücke schweben in der Luft und kein Spielzeugkreisel dreht sich von selbst. Du hörst auch keine dumpfen Geräusche und kein unheimliches Gelächter. Das alles gibt es nur in Filmen, aber nicht während deiner Rituale. Damit du überhaupt keine Angst zu haben brauchst, rufst du am besten nur das an, was du kennst und verstehst. Angenommen, dir fällt ein Buch mit allerlei sonderbaren Zaubersprüchen in die Hände, und du hast keine Ahnung, worum es dabei geht. Wirf das Buch weg. Du musst alles, was du tust, voll und ganz verstehen. Wenn du nervös bist, arbeite immer mit deinem Schutzengel und bitte ihn laut um seine Anwesenheit, bevor du anfängst.

 

2.Ich habe viele Bücher gelesen, aber nie etwas ausprobiert. Ich möchte so gerne eine Hexe sein, aber ich weiß nicht, wie ich anfangen soll.

Am besten entwirfst du ein Grundritual. Mit der Hexenkunst ist es wie mit dem Radfahren: Wenn du anfängst, wackelst du ganz schön, aber mit der Zeit geht es immer besser. Das gilt für alles, was Übung erfordert. Natürlich brauchst du ein bisschen Mut, um etwas Neues zu beginnen. Ob Wicca etwas für dich ist, erfährst du nur, wenn du mehr darüber lernst.

3.Es fällt mir schwer, Bilder vor dem geistigen Auge zu sehen.

Lass dir Zeit. Betrachte Bilder in einer Zeitschrift, schließe die Augen und versuche, das Bild innerlich zu „sehen“. Mach dir keine Sorgen, wenn du das Bild nicht lange sehen kannst. Auch für dieses geistige Sehen (man nennt es Visualisieren) brauchst du Übung.

 

4.Ich habe noch kein Ritual probiert, weil ich Angst habe, dass ich es nicht richtig mache. Ich glaube, Bücher helfen mir nicht weiter. Eine Lehrerin wäre mir lieber.

Die meisten erfahrenen Hexen nehmen nur Schüler an, die schon einige Jahre Selbststudium hinter sich haben. Für blutige Anfänger müssten sie eine Unmenge Zeit und Energie opfern. Außerdem hat eine Lehrerin wenig Lust, jemanden monatelang zu unterrichten und dann festzustellen, dass die Schülerin das Interesse an Wicca verloren hat, weil man sich dafür anstrengen muss. Wicca verlangt von dir, dass du auf eigenen Füßen stehen kannst. Wir glauben, dass du eine Lehrerin findest, sobald du spirituell dafür reif bist.

 

5.Ich möchte einem Hexenzirkel beitreten. Können Sie mir sagen, wo ich in meiner Gegend einen finde?

Fünfundneunzig Prozent aller erwachsenen Wiccaner nehmen keine Minderjährigen als Schüler an, es sei denn, sie leben in einer Wicca-Familie. Ob es dir gefällt oder nicht: Deine Eltern haben ein Wörtchen mitzureden, wenn du dich irgendeiner Gruppe anschließen willst. Wenn sie Wicca nicht verstehen oder ablehnen, können sie es dir sogar verbieten. Das gilt selbst fürs Fußballspielen. Die meisten Hexen sind außerdem der Meinung, dass du Zeit brauchst und dich in der Welt umsehen musst, um herauszufinden, welche Art Spiritualität für dich der Richtige ist. Selbst wenn du offiziell als volljährig giltst, kann es also sein, dass ein Zirkel dich nicht sofort aufnimmt.

 

6.Meine Freundinnen und ich möchten einen Zirkel gründen. Wie geht das?

Minderjährige sollten keinen Zirkel gründen. Wenn Freunde sich treffen, um Rituale zu veranstalten und Magie zu praktizieren, ist das in Ordnung. Aber für einen echten Hexenzirkel braucht man Erwachsene mit Erfahrung. Jeder Zirkel sollte zudem Älteste haben, die seit Jahren praktizieren, mit Menschen umgehen können und etwas von Gruppenarbeit und Beratung verstehen. Weder Erwachsene noch Jugendliche können über Nacht Hohepriesterin oder Hohepriester werden. Es genügt auch nicht, wenn du ein Buch liest und sagst: „So und nicht anders möchte ich leben.“ Die meisten Hexen, die ich kenne, haben jahrelang selbst studiert und in Gruppen gearbeitet, bevor sie daran dachten, einen Zirkel zu gründen. Du weißt sicher selbst, dass junge Leute sehr flatterhaft sein können. Darum wäre es keine gute Idee, dich und deine Freundinnen an einen „Zirkel“ zu binden.

 

7.Meine Eltern verbieten mir Rituale. Wie kann ich ohne Rituale Hexenkunst praktizieren?

Du kannst beten. Du kannst meditieren. Und du kannst ein Ritual in deinem Geist praktizieren. Das ist zwar schwieriger, aber es ist möglich.

 

 

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